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Reden der Mad Pride 2026

15:00 Uhr - offizielle Begrüssung

Vorgetragen durch: Daniela Malsiner:  & Stéphanie Romanens-Pythoud

Du kannst die Reden hier als PDF durchblättern oder herunterladen.

Nachfolgend findest du alle Redetexte direkt auf dieser Seite zum Lesen und Vorlesenlassen.

Liebe alle

Herzlich willkommen zur Mad Pride heute in Bern auf dem Bundesplatz!

Ich freue mich sehr, heute hier mit euch zu sein. Mein Name ist Daniela Malsiner. Für mich ist dieser Tag auch persönlich etwas Besonderes, denn es ist meine erste Mad Pride als Präsidentin.

Der 10.10 ist der Welttag für die psychische Gesundheit, was es umso passender macht, die diesjährige Mad Pride an diesem Tag stattfinden zu lassen.

Die Mad Pride ist normalerweise ein Anlass, der mit einem Umzug verbunden ist. Dieses Jahr findet kein Umzug statt – umso mehr freuen wir uns, diesen besonderen Nachmittag gemeinsam mit euch auf dem Bundesplatz zu erleben!

Die Mad Pride steht für mich vor allem für Sichtbarkeit, Offenheit und Gemeinschaft. Sie steht dafür, dass wir über psychische Gesundheit sprechen können, offen und ohne Scham – ohne uns verstecken oder rechtfertigen zu müssen. Und sie steht dafür, dass jeder Mensch so sein darf, wie er ist.

Heute wollen wir gemeinsam ein Zeichen setzen, aber wir wollen auch zusammenkommen, uns austauschen und natürlich diesen Tag miteinander geniessen.

Bevor wir richtig starten, möchten wir euch noch ein bisschen erzählen, wie die Mad Pride entstanden ist und was hinter dieser Bewegung steckt.

Und dafür übergebe ich sehr gerne an meinen Gründungs- und Co-Präsidenten Alfred Künzler, der euch etwas über die Geschichte der Mad Pride erzählen wird.

 

Geschichte der Mad Pride

Vorgetragen durch: Alfred Künzler

Liebe Anwesende

Ich freue mich riesig, dass bereits die 4. Schweizer Mad Pride heute stattfindet!

Die Geschichte der Mad Pride Bewegung geht zurück bis 1993 in Kanada. Dort gingen erstmals Menschen mit Psychiatrieerfahrung auf die Strasse. Damals wie heute geht es um die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Menschen mit psychischen Erschütterungen.

Aber nicht mehr nur das. Wir fordern heute die Inklusion aller Menschen, die nicht in ein sogenanntes Normal passen. Und wir unterstützen die schon alte Aussage der Weltgesundheitsorganisation, dass es keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gibt.

Die erste Schweizer Mad Pride wurde 2019 von unseren welschen Kolleginnen in Genf organisiert. Dort habe ich Feuer gefangen und war beeindruckt von dieser farbenfrohen, lauten und lebensfrohen Veranstaltung.

In der Folge haben wir den Verein Mad Pride Schweiz gegründet. Der Verein hat die Aufgabe, regelmässig Orte und Menschen zu finden, die weitere Mad Prides organisieren. In den letzten Jahren fanden in Lausanne und auch schon in Bern Veranstaltungen statt. Meldet euch bitte an unserem Stand dort, falls ihr euch für eine nächste Mad Pride engagieren möchtet.

Von den Organisatoren der Genfer Mad Pride haben wir ein kleines, aber starkes Symbol erhalten: eine Eule, die sogar ein Feuer trägt. Das Feuer könnte den Geist der Olympischen Spiele symbolisieren, der über Zeit und Ort hinweg erhalten bleibt und Individuen und Gruppen verbindet. Die Eule ist ein Symbol der Weisheit. Ich hoffe, dass sich die Weisheit verbreitet, dass es keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gibt und dass die psychische Gesundheit den gleichen Wert hat wie die somatische Gesundheit.

Grusswort

Vorgetragen durch: Stéphanie Romanens-Pythoud (übersetzt aus dem Französischen)

Ich bin Stéphanie Romanens-Pythoud und habe das Glück, alle Mad Pride-Veranstaltungen in der Schweiz miterlebt zu haben. Ich habe die erste Ausgabe in Genf mitorganisiert und freue mich sehr, dass dieser etwas verrückte Elan, der uns 2019 beflügelt hat, auch heute noch genauso lebendig ist. Die Mad Pride vermittelt eine Botschaft der Hoffnung und Freude, vertritt aber auch wichtige Forderungen, wie Alfred Künzler gesagt hat. Wir wollen eine inklusive Gesellschaft, die Raum für Unterschiede lässt und in der jede und jeder einen würdigen Platz hat. Wir glauben, dass Unterschiede und Vielfalt eine Ressource sind, die uns bereichert. Wir alle sind verantwortlich – sowohl individuell als auch gemeinsam –, jedem und jeder von uns diesen Platz zu schaffen.

Diese Botschaft der Weisheit verkündet unsere Eule stolz durch die Fackel, die sie hochhält. Auch sie hat alle Mad-Pride-Veranstaltungen miterlebt. Von Genf kam sie nach Bern, flog dann nach Lausanne und kehrt heute wieder nach Bern zurück.

Mit ihr wünsche ich euch eine schöne Mad Pride. Möge sie fröhlich und bedeutungsvoll sein!

15:05 Uhr -Start in das Programm

Alle folgenden Punkte vorgetragen durch: Tanja Spielmann:

Vielen Dank Daniela Malsiner, Alfred Künzler und Stéphanie Romanens-Pythoud für euren Beitrag.

Ich heisse Tanja Spielmann und habe die Ehre, euch heute durch das Programm zu führen. Unser Schirmherr, Martin Frankhauser, hätte in diesem Jahr die Moderation der Mad Pride übernommen. Aus gesundheitlichen Gründen muss er sich etwas zurücknehmen. Auch das gehört zu Mad Pride.  Wir wünschen dir gute Besserung Martin und schicken liebe Grüsse!

Auf dem Bundesplatz sind heute ganz viele Organisationen vertreten, die sich alle auf die eine oder andere Weise mit Themen rund um die psychische Gesundheit auseinandersetzen und sich für starke Strukturen der Unterstützung einsetzen. Ihr seid jetzt herzlich dazu eingeladen, die Stände zu besuchen, ins Gespräch zu gehen und euch mit Infomaterial einzudecken.

Auf dem Bundesplatz verteilt gibt es sechs Gedankenwände, die dafür aufgestellt wurden, dass ihr euch selbst mit eurer Perspektiven auf die Thematik einbringen könnt. Zögert nicht, euch daran zu beteiligen.

Gleichzeitig möchte ich Gabriel Romero ankünden, der heute Nachmittag mit seiner interaktiven Performance zwischen Pantomime, Clowning und Zirkuskunst auf dem Bundesplatz präsent ist. Er hat die Dimitrischule mit einem Master in Physical Theatre abgeschlossen und seine Shows schon in unterschiedlichsten Ländern in Europa und Lateinamerika gezeigt. Schön bist du heute hier mit uns in Bern!

Alle, die einen Moment des Rückzugs möchten, dürfen gerne unsere Ruhezone besuchen. Sie befindet sich auf der anderen Seite des Bundesplatzes, bei der Berner Kantonalbank. Dort könnt ihr etwas abgeschirmt von den vielen Reizen und Menschen wieder Kraft tanken. Gebt auf euch acht, macht alles in eurem Tempo und schaut aufeinander.

Nehmt euch jetzt gerne noch etwas Zeit, um euch umzusehen, die Stände zu besuchen und in Ruhe anzukommen.

Um 15.40 Uhr dürfen wir dann die Sängerin und Performerin Rose Doblies auf unserer Bühne begrüssen.

 

Ankündigung Rose Doblies

Kommt gerne alle etwas zur Bühne. Es geht schon los mit der ersten Darbietung. Rose Marie Denise Doblies ist Künstlerin, Sängerin, Performerin, Poetin, Gesangspädagogin, zweifache Mutter und ehemalige Krankenschwester. Sie setzt sich seit vielen Jahren für Menschenrechte ein, insbesondere für die Rechte von Kindern.  Heute ist sie für euch als “la voix de Rose” hier und zeigt einen ungefähr zwanzigminütigen poetisch-musikalischen Beitrag. Ich wünsche euch ganz viel Spass. La voix de rose!

[Nach der Darbietung]: Vielen Dank für deinen stärkenden und aufrüttelnden Beitrag, Rose.

 

Ankündigung Dino Brandão

Als nächstes begrüssen wir auf der Bühne: Dino Brandão, Andrina Bollinger und Jules Martinet. Dino Brandão ist ein Schweizer Sänger, Musiker und Songwriter, den man vom Album “Ich liebe dich” mit Faber und Sophie Hunger aus dem Jahr 2020 kennt oder dem Solo-Album “Self-inclusion”, welches 2024 herauskam. Letzter Herbst ist dann der Dokumentarfilm “I love you, I leave you” über ihn erschienen, der von Dinos Freund Moris Freiburghaus gedreht wurde. Ich kann den Film wärmstens empfehlen, er zeigt auf eine wirklich sehr berührende Art und Weise, was es bedeutet, eine manische Episode zu erleben und was dies auch mit dem Umfeld macht. Der Film kann noch bis Oktober 2027 gratis auf der Srf-Website gestreamt werden. Die Filmmusik dazu hat Dino übrigens selbst geschrieben und ich freue mich anzukünden, dass wir heute einige dieser Songs hören dürfen. Es ist eine grosse Ehre, euch hier zu haben. Macht Applaus für Dino Brandão, Andrina Bollinger und  Jules Martinet.

[Nach dem Beitrag]: Nochmals vielen herzlichen Dank für dieses wunderschöne Konzert.

 

17:15 Uhr – Ankündigung Input Achtsamkeit

Wir kommen nun schon zum letzten Programmpunkt, der uns nun helfen wird, unser Gemüt wieder etwas zu beruhigen und den Nachmittag ausklingen zu lassen. Damit wir einen Moment der Gemeinschaft und der Solidarität in uns aufnehmen und mit nach Hause nehmen können, hat unser OK Mitglied Andreas Wisler eine Achtsamkeitsübung für uns vorbereitet. Er ist selbst betroffener, arbeitet als Teamcoach, Peer- und Resilienztrainer und ist Inhaber von “Wisler Mentoring - Resilienz aus Erfahrung”.

Vielen Dank Andi und schön bist du mit uns hier.

Input Achtsamkeit

Vorgetragen durch: Andreas Wisler

Eröffnung und Einladung

Bevor wir diesen Tag ausklingen lassen, laden wir euch zu einem kurzen gemeinsamen Moment ein – ein paar Minuten, um wahrzunehmen, wie wir heute hier miteinander unterwegs sind. Es würde mich freuen, wenn ihr diesen Moment bewusst wahrnehmen und in eurem Herzen mit nach Hause nehmen könnt.

Du brauchst dafür keine Erfahrung mit Achtsamkeit oder Meditation. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Mach nur so mit, wie es sich für dich gut anfühlt: im Stehen oder Sitzen, mit offenen oder geschlossenen Augen, aktiv mitmachend oder einfach zuhörend. Und wenn dir etwas nicht guttut, ist das völlig okay – du kannst jederzeit aussteigen, dich umschauen oder

einfach da sein.

(Pause: 3–4 Sekunden)

Schritt 1: Bodenverankerung

Zum Anfang lade ich dich ein, dich mit dem Boden zu verbinden – dich zu erden: Stelle dich hüftbreit hin, sodass beide Fusssohlen flach den Boden berühren. Wenn du magst, kannst du die Augen schliessen oder die Augen offen lassen, ganz wie es für dich angenehm ist. Beides ist in Ordnung.

Wenn es für dich angenehm ist, lenke deine ganze Aufmerksamkeit in deine Füsse. Nimm wahr, wie deine Fusssohlen den Boden berühren. Spüre die feste Unterlage unter dir. Der Boden trägt dich – du bist sicher und gehalten. Lass mit jedem Ausatmen deine Schultern entspannen und gib das Gewicht deines Körpers mehr und mehr nach unten an den Boden ab.

Wenn du so weit bist, bewege leicht deine Zehen, öffne die Augen, recke und strecke dich kurz und nimm dies Stabilität mit in die nächsten Stunden.

(Pause: 5 Sekunden)

Schritt 2: Umschauen und Gemeinschaft wahrnehmen, Bild abspeichern

Und jetzt, wenn du magst: Schau dich langsam um, in deinem eigenen Tempo. Nimm wahr, wer heute alles hier ist. Vertraute Gesichter und unbekannte Menschen. Unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Wege – und doch stehen wir jetzt gemeinsam auf diesem Platz.

Schau dich um. Schau dir diese Farben an. Schau in die Menge. All diese Menschen um dich herum sind heute aus demselben Grund hier wie du. Weil wir füreinander einstehen. Weil wir eine Gemeinschaft sind. Du bist nicht allein mit deiner Geschichte. Jedes Gesicht, das du hier siehst, ist ein Teil dieser Solidarität.

Und wenn du magst, kannst du diesen Anblick nochmals kurz wahrnehmen, dann die Augen schliessen, und dieses Bild wie ein inneres Foto in deinem Herzen abspeichern. Das ist unsere Mad Pride 2026.

(Pause: 5 Sekunden)

Schritt 3: Sanfter Ausklang

Und wenn du bereit bist, komm mit deiner Aufmerksamkeit langsam wieder hierher zurück – zu diesem Platz, zu den Menschen um dich herum. Atme einmal ein, so wie es für dich passt. Und beim Ausatmen: Winke, nicke, lächle, klatsche – oder bleib einfach still. Ganz wie es zu dir passt.

(Vereinbartes Signal: einzelner Gong, Trommelschlag oder kurzer Musikimpuls)

Übergang und Dank

Danke, dass ihr diesen Moment mit uns geteilt habt. Nehmt dieses Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität mit – in euren Alltag, zu den Menschen, die euch wichtig sind, und an alle Orte, an denen es gebraucht wird. Danke, dass ihr da wart.

17:50 Uhr - Abschluss

Vorgetragen durch: Tanja Spielmann

Wir sind am Ende unseres Programms angekommen.

Für ein kurzes Schlusswort darf ich nochmals Daniela Malsiner und Stephanie auf die Bühne bitten. Ich wünsche euch eine gute Heimreise und einen entspannten Abend.

Schlusswort

Vorgetragen durch: Daniela Malsiner und Stéphanie Romanens-Pythoud in allen drei Sprachen

Was für ein schöner und besonderer Tag!

Zum Abschluss möchten wir vor allem eines sagen: Danke.

Danke an euch alle, die heute hier wart, mitgemacht, zugehört, euch ausgetauscht, gelacht und diesen Tag mit Leben gefüllt habt.

Ein ganz grosses Dankeschön geht an unser OK, das mit unglaublich viel Engagement und Herzblut hinter dieser Mad Pride steht. Danke auch an alle Helferinnen und Helfer, unsere Partnerorganisationen, Unterstützerinnen und Unterstützer und natürlich an alle, die heute auf oder hinter der Bühne mitgewirkt haben. Ohne euch wäre ein solcher Tag nicht möglich.

Ich hoffe, dass wir heute nicht nur eine schöne Zeit miteinander hatten, sondern auch gemeinsam ein starkes Zeichen gesetzt haben: für mehr Offenheit, mehr Verständnis und mehr Sichtbarkeit rund um psychische Gesundheit.

Nehmt etwas von dieser Energie mit und tragt sie weiter.

Danke, dass ihr heute Teil der Mad Pride wart. Kommt gut nach Hause – und hoffentlich sehen wir uns alle bei der nächsten Mad Pride wieder!